Modeling and Stability Analysis of a Truss Top Chord

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beschäftige mich im Rahmen meiner Masterarbeit mit dem Thema „Stabilitätsnachweis eines Fachwerkobergurts“ und habe dazu einige Fragen zur Modellierung und Berechnung in RFEM 6.

Ich untersuche einen Fachwerkobergurt ohne Dachpfetten bzw. ohne direkte seitliche Halterung. Die seitliche Stabilisierung soll stattdessen über eine Drehbettung und eine Schubsteifigkeit berücksichtigt werden. Das Fachwerk ist als 3D-Modell aufgebaut.

Ich habe verschiedene Varianten untersucht:

  1. ohne Drehbettung und ohne Schubsteifigkeit,
  2. mit Schubsteifigkeit,
  3. mit Drehbettung.

Dabei möchte ich untersuchen, welchen Einfluss die beiden unterschiedlichen Steifigkeiten auf die maximale aufnehmbare Last des Fachwerks haben.

Für die Berechnung habe ich zwei Vorgehensweisen betrachtet:

  • Theorie I. Ordnung mit Abminderungsfaktor,
  • Theorie II. Ordnung mit geometrischen Imperfektionen.

Die Berechnung nach Theorie I. Ordnung mit Abminderungsfaktor funktioniert bei meinen Varianten nachvollziehbar.

Bei der Berechnung nach Theorie II. Ordnung mit Imperfektionen habe ich jedoch folgende Beobachtungen gemacht:

Fall a): Strukturmodifikation bei der Lastkombination ausgeschaltet

Wenn ich die Strukturmodifikation in der Lastkombination deaktiviere, erhalte ich bei den drei Varianten praktisch keinen Unterschied. Die maximale aufnehmbare Last bleibt nahezu unverändert.

Fall b): Strukturmodifikation bei der Lastkombination eingeschaltet

Wenn ich die Strukturmodifikation in der Lastkombination aktiviere, ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Varianten.

Insbesondere führt die Berücksichtigung der Schubsteifigkeit zu einer sehr starken Erhöhung der Tragfähigkeit. Je nach Modell kann sich die maximale Last beispielsweise von etwa 3 kN/m² auf bis zu 25 kN/m² erhöhen.

Bei der Berücksichtigung der Drehbettung beobachte ich dagegen nahezu keine Veränderung der maximalen Tragfähigkeit.

Die Schubsteifigkeit und die Drehbettung sollen dabei beide die Wirkung eines Trapezblechs auf den Fachwerkobergurt abbilden.

Dazu habe ich folgende Fragen:

  1. Muss bzw. sollte bei einer Berechnung nach Theorie II. Ordnung mit Imperfektionen die Strukturmodifikation grundsätzlich auch in der Lastkombination aktiviert werden?
  2. Ist es grundsätzlich plausibel, dass sich die maximale Tragfähigkeit durch die Aktivierung der Schubsteifigkeit beispielsweise von ca. 3 kN/m² auf ca. 25 kN/m² erhöht, oder deutet eine derart große Änderung eher auf eine falsche Modellierung bzw. Parametrierung hin?
  3. Warum hat die angesetzte Schubsteifigkeit einen so großen Einfluss auf die Tragfähigkeit, während die Drehbettung nahezu keinen Einfluss zeigt?
  4. Welche Bedeutung hat die Strukturmodifikation in diesem Zusammenhang bei einer Berechnung nach Theorie II. Ordnung?
  5. Welche Unterschiede ergeben sich bei meinem Anwendungsfall, wenn ich das Fachwerk als 2D-Modell anstatt als 3D-Modell modelliere?
    Insbesondere interessiert mich, welche Auswirkungen dies auf die Stabilitätsuntersuchung, die seitliche Halterung, die Drehbettung, die Schubsteifigkeit und die Berechnung nach Theorie II. Ordnung hat.

Da diese Modellierung für meine Masterarbeit verwendet wird, wäre für mich insbesondere wichtig zu wissen, ob mein Vorgehen grundsätzlich korrekt ist und welche Einstellungen Sie für diesen Anwendungsfall in RFEM 6 empfehlen würden.

Falls erforderlich, kann ich Ihnen auch die RFEM-6-Datei bzw. Screenshots der Einstellungen und Ergebnisse zur Verfügung stellen.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung.

Mit freundlichen Grüßen

Hi Alali,

Danke für deine Nachricht!

Um das Problem genauer analysieren zu können, wäre die Modell-Datei sehr hilfreich:

:right_arrow: Klicke auf DateiSpeichern unter und wähle folgende Einstellungen, um die Dateigröße zu reduzieren:

:right_arrow: Lade die Datei dann hier hoch (z. B. *.rf6, *.rs9) – so kann auch die Community zur Lösung beitragen.

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Viele Grüße
Richard Haase

Hallo Alali,

hier die Antworten auf Deine Fragen:

  1. Die Strukturmodifikation kann sowie in Lastkombinationen so auch in Lastfällen aktiviert werden. Wenn sie in den Lastfällen definiert ist, wird sie mit den Lastfällen in die Lastkombinationen mitgenommen.
  2. Grundsätzlich ist es plausibel, weil durch die Schubsteifigkeit der Obergurt in seiner schwachen Achse kontinuierlich gehalten wird und dadurch das Knicken um die schwache Achse verringert, bzw. verhindert wird. Ob die Lastgrößen (3 kN/m² und 25 kN/m²) richtig sind, kann man ohne Einsicht in das Modell nicht sagen.
  3. Der Hauptgrund liegt in den unterschiedlichen Mechanismen: das Schubfeld verhindert die seitliche Verschiebung des Obergurtes in der Blechebene, die Drehbettung ist limitiert mit der Steifigkeit des Anschlusses, bzw. der Auflagerbreite der Blechrippen und wirkt Großteils gegen die Verdrehung des Obergurtes.
  4. Bei der Berechnung nach Theorie II. Ordnung ändern sich, mit steigender Belastung, die Verformungen, und daraus die Zusatzschnittgrößen, was einen deutlich größeren Einfluss auf die Tragfähigkeit des Trägers hat als die Theorie I. Ordnung.
  5. Grundsätzlich dürfte es keinen Unterschied geben, da z.B. der Modelltyp 2D/XZ/3D bedeutet das sich die Geometrie in der Ebene XZ befindet, das Tragverhalten jedoch räumlich betrachtet wird.

Ich hoffe das hilft Dir in Deiner Masterarbeit weiter. Falls Du noch Fragen hast, melde Dich gerne wieder.

Schönen Gruß,

Hrvoje