Hallo Marc,
vielen Dank für deine Antwort!
Ich stimme dir zu, dass das Gesamtsystem im Haftbereich relevante Verformungen (Deformationen) aufweist – diese haben wir mit ca. 1,2mm auch in den Versuchen gemessen. E- und G-Modul sind entsprechend Herstellerdaten angewendet worden. Ich stimme dir ebenfalls zu, dass der mittlere Versuchskörper einer Biegebeanspruchung ausgesetzt wird, währen die Decklamellen erheblichen Schubverzerrungen ausgesetzt sind. Jedoch zeigt das RFEM-Modell nicht dieses Verhalten. Es kommt bereits ab niedriger Belastung zu dominanten Gleiten anstelle von signifikanten materiellen Deformationen in Z-Richtung.
Mein Verdacht mit dem zu geringen Schubmodul des Materials Holz hat sich bei Betrachtung der Verformungen u_z daher nicht bestätigt. Man erkennt keine Schubdeformation des Elements, sondern ein zu frühes Gleiten.
Aus diesem Grund möchte ich nochmals weiter vorne ansetzen und möchte ich die Vorgehensweise des solvers in den Kontaktflächen im Kontext der Reibung besser verstehen.
Durch Anpassung der Lasteinleitung im LF1 konnte ich um die X-Z-Ebene beinahe symmetrische Ergebnisse erhalten. Die Abweichungen betragen ca. 0,15%. Ich möchte nachfragen, wie ein in Geometrie und Belastung symmetrisches System zu unsymmetrischen Ergebnissen frühen kann?!
Die Asymmetrie tritt sowohl bei der starren Lasteinleitungsfläche der Scherkraft als auch ohne dieser auf.
Reibversuche-Volumenmodell-V31-Holz-Dlubal.rf6 (1,9 MB)
Wenn ich nun bspw. die Spannungen in x-Richtung sigma_x für jeden FE-Knoten anzeige, erhalte ich folgende Ergebnisse. Aufgrund der Dehnsteifigkeiten der Lamellen gehen in die Mittellamelle ca 95% der Vorspannkraft (50kN). Mit einer Fläche von 40mm x 100mm wird eine Spannung von 0,95 x 50000 : (40 x 100) = 11,9N/mm2 erwartet. Die grundsätzliche Größenordnung ist gegeben.
Eine Frage zur grundsätzlichen Auswertung von Ergebnissen an FE-Knoten habe ich in einem Extrabeitrag gestellt (Auswertung FE-Knotenergebnisse). Konkret in diesem Fall sehe ich jedoch teilweise enorme Unterschiede zwischen den einzelnen FE-Knotenergebnissen vor der Glättung.
(zB: N2065: min -17,958N/mm2 bis max +4,20N/mm2)
Gegenübergestellt mit den Schubspannungen in dieser Scherfläche tau_xz ergeben sich Werte, die bereits die Haftreibungsgrenze überschreiten und Werte, in denen das nicht der Fall ist. Das bedeutet, dass ein Knoten als Eckpunkt der Fläche A gleitet aber als Eckpunkt der Fläche B noch haftet.
N2065: sigma_x =-17,958;
17,958 x 0,35=6,29 Haftreibgrenze – vorhanden aber tau_xz = -8,6 -> Gleiten
N2065: sigma_x=-6,475;
6,475 x 0,35=2,27 Haftreibgrenze – vorhanden aber tau_xz = 0,457 -> Haften
Im Weiteren beginnt der Körper von oben nach unten nacheinander die Haftgrenze in einzelnen Punkten zu überschreiten. Jedoch sollte die Gesamtlamelle erst zu Gleiten beginnen, wenn in jedem Punkt die Haftgrenze überschritten ist.
Hier beginnt die Gleitung aber, wie weiter oben dargestellt, von Beginn an.
Konkret für Lastfaktor 0,3:
zB:
N2065: sigma_x=-17,958;
17,958 x 0,35=6,29 Haftreibgrenze – vorhanden aber tau_xz= -8,6 -> Gleiten
N2019: sigma_x=-14,183;
14,183 x 0,35=4,964 Haftreibgrenze – vorhanden aber tau_xz= 2,748 -> Haften
Wie geht der solver mit dieser Herausforderung um?
Könnte das der Grund für die zu früh einsetzenden Gleitverschiebungen u_z sein?
Beste Grüße
Alexander